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PflegegradeDas Jahr 2017 bringt für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen wichtige Änderungen. Denn seit dem 1. Januar 2017 wirken sich die Pflegestärkungsgesetze II und III aus, die zu einer grundlegenden Reform der bisherigen Pflegeversicherung führen.

 

Im Mittelpunkt der Änderungen stehen der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff und das neue Begutachtungsverfahren. Dabei orientiert sich die Begutachtung von Pflegebedürftigen ausschließlich an den Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit und den Fähigkeiten der Betroffenen. Bei der Begutachtung geht es deshalb nicht mehr um die Frage, welche körperliche Einschränkungen der Pflegebedürfte hat, sondern darum, wie die Fähigkeiten des Pflegebedürftigen sind, um seinen Alltag selbstständig zu bewältigen. „Von diesen Änderungen werden vor allem Menschen mit Demenz profitieren. Es wird mit zusätzlich 500.000 Menschen gerechnet, die nun Anspruch auf Pflegeleistungen haben", erklärt Holger Dudel, Fachreferent für Pflege beim ASB-Bundesverband.

Automatische Überleitung in Pflegegrade

Ebenfalls neu sind die fünf Pflegegrade. Sie ersetzen die bisherigen Pflegestufen. Die Umstellung von den bisherigen Pflegestufen in die neuen Pflegegrade erfolgt automatisch, ohne neue Begutachtung. „Pflegebedürftige und Angehörige brauchen dafür keinen Antrag zu stellen. Sie sollten jetzt bereits einen Bescheid über den zugewiesenen Pflegegrad von ihrere Pflegeversicherung erhalten haben", sagt Dr. Marion Wilhelm, ebenfalls Pflegereferentin im ASB-Bundesverband.

Bei der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade gelten folgende Faustregeln: Bei Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen greift die Grundregel „+1". So wird zum Beispiel ein Pflegebedürftiger mit körperlichen Einschränkungen und Pflegestufe 2 ab 2017 dem Pflegegrad 3 zugeordnet.

Bei Pflegebedürftigen, bei denen zusätzlich eine eingeschränkte Alltagskompetenz festgestellt wurde gilt hingegen „+2" Pflegegrade. Ein Pflegebedürftiger mit eingeschränkter Alltagskompetenz und Pflegestufe 2 wird dann dem Pflegegrad 4 zugeordnet.

 Pflegegrade

Bei der Überleitung ist ausgeschlossen, dass sich Leistungsansprüche verschlechtern. Durch Besitzstandsschutzregelungen wird sichergestellt, dass Leistungsbezieher nicht schlechter gestellt werden. In den meisten Fällen findet sogar eine deutliche Verbesserung statt.

Menschen mit Pflegestufe 1 profitieren vom Systemwechsel

„Vor allem Pflegebedürftige, die ambulant gepflegt werden und in niedrigen Pflegegraden eingestuft sind, erhalten ab 2017 mehr Pflegeleistungen als vorher", erklärt Pflegeexperte Holger Dudel. Wer bisher Pflegestufe 1 hatte, erhielt bis Ende 2016 monatlich 244 Pflegegeld oder Pflegesachleistungen in Höhe von 468 Euro. Mit der Einstufung in Pflegegrad 2 wird das Pflegegeld nun 316 Euro betragen; die Pflegesachleistungen werden bei 689 Euro liegen. 

Datum des Antrags auf Begutachtung ist entscheidend

Wer einen Antrag auf Begutachtung seiner Pflegebedürftigkeit noch in 2016 gestellt hat, wird nach dem alten System begutachtet, auch wenn die Begutachtung erst 2017 stattfindet. „Entscheidend ist das Datum der Antragstellung", betont Marion Wilhelm.

Einstiegspflegegrad 1

Das System der Pflegegrade hat im Vergleich zum alten System der Pflegestufen eine niedrigere Einstiegsschwelle: Den Pflegegrad 1 erhalten Personen leichter als die erste Pflegestufe nach dem alten System.

Hilfsbedürftige mit Pflegegrad 1 erhalten weder Pflegegeld, noch haben sie Anspruch auf Pflegesachleistungen. Sie haben aber Anspruch auf einen einheitlichen Entlastungsbetrag von 125 Euro pro Monat für Betreuungsleistungen – zum Beispiel durch einen Alltagsbegleiter – und für Entlastungsleistungen – zum Beispiel durch eine Haushaltshilfe. Außerdem steht ihnen ein einmaliger Zuschuss für Wohnraumanpassung in Höhe von bis zu 4.000 Euro zu. Medizinische Hilfsmittel werden mit 40 Euro gefördert. Außerdem werden Pflegehilfsmittel wie der Hausnotruf bezuschusst.

 

Die Leistungen der Pflegeversicherung ab 2017

Mit den neuen Pflegegraden ändern sich auch die Leistungen der Pflegeversicherung. Hier eine Übersicht der Leistungen der Pflegekassen seit 1. Januar 2017:

 

Pflegesachleistungen

Pflegesachleistung bei professioneller Pflege erhalten Pflegebedürftige, die einen ambulanten Pflegedienst beauftragen. Hinweis zu Pflegegrad 1: Der Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro/Monat kann bei Pflegegrad 1 für Leistungen der körperbezogenen Pflegemaßnahmen (Körperpflege) genutzt werden.

 

Pflegegeld

Pflegegeld erhalten Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5, die ihre Versorgung und Pflege selbst organisieren.

Entlastungsleistungen gemäß § 45b SGB XI

Alle Pflegegrade in der ambulanten Pflege: 125 Euro monatlich

Diese Leistung erhalten Pflegebedürftige der Pflegegrade 1 bis 5, die in ihrer Häuslichkeit leben zur Entlastung der pflegenden Angehörigen sowie für Betreuungs-/ und weitere Entlastungsleistungen. Der Betrag ist zweckgebunden und darf nicht für Leistungen der Körperpflege genutzt werden. Ausnahme: Bei Pflegegrad 1 kann der Entlastungsbetrag auch zur Erstattung von Kosten für grundpflegerische Leistungen (Körperpflege) genutzt werden.

Tages- und Nachtpflege

Zur Entlastung der pflegenden Angehörigen von Pflegebedürftigen der Pflegegrade 2 bis 5 kann eine Tagespflege in Anspruch genommen werden. Die Tagespflege bietet in der Regel von Montag bis Freitag, gelegentlich aber auch am Wochenende oder nachts Betreuung an.

Der Leistungsumfang entspricht dem der Pflegesachleistungen nach § 36 SGB XI.

Hinweis zu Pflegegrad 1: Der Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro/Monat kann für die Tages- und Nachtpflege eingesetzt werden.

Weitere Leistungen:

weitere Leistungen

 

Pflegehilfsmittel und technische Hilfen

Pflegehilfsmittel werden von den Pflegekassen leihweise überlassen, wenn dadurch die Pflege erleichtert werden kann oder die Beschwerden des Pflegebedürftigen gelindert werden können. Die Pflegekasse überprüft die Notwendigkeit der Versorgung mit den beantragten Pflegehilfsmitteln unter Beteiligung einer Pflegefachkraft oder des Medizinischen Dienstes.

Beispiele: elektrisch verstellbare Pflegebetten, Badewannenlifter, Toilettensitzerhöhung, Toilettenstuhl

Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes

Die Pflegekassen gewähren im Einzelfall Zuschüsse für Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes bis zu 4.000 Euro je Maßnahme.

Beispiele: Ersetzen der Badewanne durch eine bodengleiche Dusche mit Klappsitz, Verbreitern der Türen, Anbringen von Rampen oder Liften, Haltegriffe anbringen

Zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel

(z.B. Bettschutzeinlagen, Inkontinenzartikel, Einmal-Handschuhe) Die Aufwendungen der Pflegekassen für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel dürfen monatlich den Betrag von 40 Euro nicht übersteigen.

Hausnotruf

Der Hausnotruf ermöglicht Pflegebedürftigen die Verbindung zu einer Hausnotrufzentrale, die im Bedarfsfall schnelle Hilfe organisiert.

Die Pflegekassen übernehmen bei Vorliegen der Leistungsvoraussetzungen und auf Antrag bei Einstufung in einen Pflegegrad die monatliche Grundgebühr sowie die Kosten für die Bereitstellung des Hausnotrufgerätes.

Pflegekurse/Schulungen zu Hause gemäß § 45 SGB XI

Pflegende Angehörige haben Anspruch auf unentgeltliche Schulungskurse. Auf Wunsch können die Schulungen auch zu Hause beim Pflegebedürftigen durchgeführt werden. 

Arbeitslosen- und Rentenversicherung für pflegende Angehörige

Die Pflegeversicherung zahlt für alle Pflegepersonen, die einen Pflegebedürftigen mit einem zwischen Pflegegrad 2 und 5 zu Hause pflegen, Beiträge in die Rentenversicherung. Vorausgesetzt: Die häusliche Pflege umfasst mindestens zehn Stunden, verteilt auf mindestens zwei Tage in der Woche.   Wer aus seinem Beruf aussteigt, um einen Angehörigen mit mindestens Pflegegrad 2 zu Hause zu pflegen, dem zahlt die Pflegeversicherung ab 2017 Beiträge in die Arbeitslosen-versicherung. Vorausgesetzt: Die häusliche Pflege umfasst mindestens zehn Stunden, verteilt auf mindestens zwei Tage in der Woche.  

Vollstationäre Pflege

Der einrichtungsabhängige Eigenanteil (private Zuzahlung) in stationären Einrichtungen wird über die Pflegegrade hinweg vereinheitlicht. Er ist somit in der jeweiligen Einrichtung für alle Pflegegrade identisch und ändert sich auch nicht, wenn sich der Pflegegrad im Laufe der Zeit erhöht. Im Bundesdurchschnitt wird der Eigenanteil zunächst deutlich unter 1.000 Euro im Monat liegen. Er kann im Laufe der Zeit steigen, zum Beispiel wenn der Anteil der Bewohner mit sehr hohen Pflegegraden in den stationären Einrichtungen zunimmt.

Die Leistungen gelten seit dem 1. Januar 2017 

Weitere Informationen haben wir für Sie in unseren Informationsbroschüren zusammengestellt.

 

(Grundlage: https://www.asb.de/de/news/2016-10/wichtige-aenderungen-der-pflege-ab-2017)

BAG 2013 4c zuhausefuersieda